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Begegnung im Garten

Woher kommst du, du schöne fremde Katze?
Zögernd sitzt du vor der Gartentür.
Wachsam spähen deine Augen über den Rasen.
Ob wohl Gefahr dir droht von Mensch oder Tier.
Sei unbesorgt, mein Haus und Garten sind Orte des Friedens.
Komm näher, kleine Fremde, fürchte dich nicht.
Du, einst unter der Sonne Ägyptens als Göttin verehrt. Bis heute haben deine Augen das dunkelgrün der Smaragde, des Königssteines.
Noch zögerst du, meine Stimme kennst du noch nicht.
Doch nun wagst du einige vorsichtige Schritte.
Dann, mit einem Satz, bist du an meiner Seite.
Noch auf Distanz und immer fluchtbereit.
Wirst du bleiben als meine kleine Gefährtin?
Mir wäre es recht, in meiner Nähe hatte gewiss dann weniger Einsamkeit platz.
Zum ersten Mal siehst du mich voll an.
Unergründlich ist dein Blick und etwas von Vertrauen ist schon darin.
Bleibe bei mir, täglich wird deine Schüssel gefüllt sein, und du kannst kommen und gehen wie es deine freiheitsliebende Natur braucht.
Nun rückst du näher zu mir und ich wage die erste Berührung.
Wie wohl tut es meinen Händen wenn sie über dein seidiges Fell gleiten.
Bis zu deinem letzten Atemzug werden sie dir wohltun und dich halten.
Einmal wirst auch du, wie ich jetzt, alt werden und wenn es dann sein muss gehe ich auch den letzten Weg mit dir.
Wieder siehst du mich an, und streckst dich nach mir aus. Dann ertönt ein wohliges Schnurren tief aus deiner Kehle.
Nun weiss ich, du bleibst.
Ingeborg Roder
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